Das Unterbewusstsein
 
Was weiss man heute auf Grund der Hirnforschung über das ICH ?
 
Es gibt nicht ein Bewusstsein und ein Ich, sondern ein ganzes Bündel davon: Körperbewusstsein, Aufmerksamkeitsbewusstsein, lch-Bewusstsein usw. Auch unsere Identität ist aus vielen Komponenten zusammengesetzt. Die Soziologen wissen das schon lange, sie sprechen von unseren verschiedenen «Rollen» des Chefs, des Vaters, des Berufsmannes, des Musikliebhabers und so fort. Die vielen Bewusstseins- oder Ich- Zustände existieren nebeneinander und werden vom Unbewussten unterschiedlich zum Bewusstseinsstrom zusammengesetzt. Das Gehirn gaukelt uns nur vor, wir seien eine Einheit.

Das Wahrnehmen, Empfinden, Fühlen oder affektive Handeln kommt fertig mit uns zur Welt?
 
Nein, auch das Unterbewusstsein entwickelt sich - es beginnt schon im Mutterleib, hört zum Beispiel die mütterliche Stimme, spürt die mütterliche Angst, wird beeinflusst von mütterlichen Hormonen. Noch bis lange nach der Geburt setzt sich die Entwicklung fort, wobei die ersten Jahre die wichtigsten sind. Relativ fertig ausgebildet ist unser Hirn erst im Jugendlichenalter. Vieles von dem, was in unserm Hirn abläuft, dringt gar nie in unser Bewusstsein, wird aber dennoch in einem unserer vielen Gedächtnisse abgespeichert und beeinflusst unser Handeln. Denken Sie zum Beispiel an unbewusst wahrgenommene Gerüche, die dann eine Rolle spielen, wenn wir sagen: «Diesen Menschen kann ich nicht riechen.»

 
Aber wir vergessen doch das meiste.
 
Nein. Alles, was wir bewusst erleben, ist abgespeichert, aber wir erinnern uns nicht unbedingt daran - oder erst wieder unter Umständen, welche die Erinnerung aktivieren. Das Bewusstsein kann aber Überflüssiges und Unwichtiges sehr schnell vergessen wie etwa eine nicht mehr benötigte Fahrplanangabe. Wer nichts vergisst wie der rare Gedächtniskünstler, ist krank. Das Unterbewusstsein hingegen vergisst offenbar nie.

Warum nicht ?
 
Die biochemischen und physiologischen Mechanismen, welche die Netzwerke des Unbewusstseins betreiben, verändern diese dauerhaft. Eine emotionale Erfahrung wird regelrecht «eingebrannt», die Kontakte zwischen den Neuronen werden zusammengeklebt mit einer Art von Superleim. Positive Erfahrungen können zwar negative Erinnerungen übertünchen oder verdrängen, aber nicht auslöschen. Wir alle kennen das, wenn wir uns, etwa im Streit mit nahe Stehenden, an eine alte Beleidigung noch nach Jahren plötzlich wieder glasklar erinnern.

Was bestimmt denn über das Erinnerungsvermögen ?
 
Das Unterbewusste, in erster Linie das limbische System, das die emotional-affektiven Zustände erzeugt und lenkt. Dort wird bei jedem Ereignis abgefragt und im Rückgriff auf Erfahrungen und Erinnerungen entschieden, ob und wie tief dieses in den Langzeitspeicher verankert werden soll. Emotional stark Gefärbtes wird eingebrannt, bei andern Daten kommt es auch auf Begleiterfahrungen an, auf eine Art von unbewusstem Vorinteresse. Beim Lernen von Vokabeln zum Beispiel fragt sich das Hirn: Warum soll ich dieses Wort lernen? Wenn das limbische System mit "nein, ist unnötig" antwortet, fällt das Memorieren schwer, und man muss sich die Vokabel in stupider Wiederholung einbläuen.
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Wie das Unterbewusste arbeitet
 
Ungefähr 90 % unserer Denkabläufe sind unbewusst. Unser Unterbewusstsein enthält viele Programme und Komponenten für den reibungslosen Ablauf unserer Körperfunktionen, von schwierigen Manipulationen bis hin zu einfachen Bewegungsabläufen wie Sprechen, Zähne putzen oder Ergreifen eines Gegenstands. Selbst Bewegungen, die wir täglich mit aller Selbstverständlichkeit tun - etwa ein Telefon bedienen, rasches Auffangen eines Gegenstandes, der auf den Boden fällt.
 
Das Bewusstsein ist für die Beobachtung und Auswertung von Eindrücken und Erlebnissen sowie für das Einstudieren von Neuem reserviert. Die in uns vorherrschenden Gedanken und Überzeugungen weben ein komplexes Muster in unser Unterbewusstsein, das dann als Programm unser Erleben und unsere Handlungen kontrolliert.
 
Unsere "Innere Welt" Selbstbild spielt dabei die wichtigste Rolle. Es gibt keinen wichtigeren Faktor als unsere Selbsteinschätzung. Sie ist verantwortlich für unsere Gefühle, Depressionen, positives und negatives Verhalten, ja sogar für Gesundheit und Krankheit. Denis Waitley, Autor des Schlüsselwerks «Psychologie des Erfolges», schreibt: "Unser Bild von uns selbst bestimmt die Art und Bedeutung unserer Persönlichkeit in allen Bereichen unseres Lebens; es ist der unser Leben kontrollierende Mechanismus.
 
Das Bewusstsein ist für das Sammeln von Informationen, deren Speicherung in der Gedächtnisbank und das Treffen rationaler Entscheidungen verantwortlich. Das Bewusstsein kann eine Entscheidung erst dann treffen, wenn er sie über das Unterbewusstsein abgeklärt hat. Das Unterbewusstsein überprüft seine Gedächtnisbank, die auch die Selbsteinschätzung enthält, und übermittelt die verfügbaren Daten dem Bewusstsein für seine Entscheidung.
 
Es scheint natürlich, dass das Bewusstsein das Unterbewusstsein beherrscht. Aber so unglaublich es klingen mag, genau das Umgekehrte ist der Fall. Die Denkebene des Unterbewusstseins beherrscht die Ebene des Bewusstseins. Oft erfolgt das Handeln ohne Rücksprache mit dem Bewusstsein, aber keine Handlung erfolgt jemals, ohne Rückfrage beim Unterbewusstsein. Die an die Gedächtnisbank des Unterbewusstseins abgegebenen Informationen bleiben dort."
 
Die Forschung zeigt, dass die Behauptung, 90% unseres Verhaltens sei vom Unterbewusstsein gesteuert, noch untertrieben ist. Wenn wir unsere Ziele sicher erreichen wollen, haben wir gar keine andere Wahl, als tiefer innen anzusetzen. Die Werbung beweist uns heute, dass die Vernunft beim menschlichen Handeln nicht immer im Vordergrund steht. Eine deutsche Marketingstudie belegt, dass der Verkauf von Konsumartikeln innert weniger Wochen zusammenbricht, wenn die Werbespots ausgesetzt werden ("weil ich es mir wert bin", "der Duft der grossen weiten Welt", usw.).
 
Wir sind manipulierbar - und zwar über die Grenzen unserer Vorstellungskraft hinaus. Wir wissen über diese Beeinflussung, sind aber unfähig, etwas dagegen zu tun, weil unsere Konditionierungen uns unerbittlich in eine andere Richtung steuern. Das hat aber nichts mit Genen zutun, wenn man davon absieht, dass die Triebwünsche, an die appelliert wird, Teil unseres genetischen Erbes sind.
 
Unser Verhalten wird nicht nur durch Gene vorherbestimmt, sondern das menschliche Verhalten ist das Resultat von Konditionierung und Programmierung. Auch unsere Gene sind konditioniert, sonst wäre Entwicklung nicht möglich, auch wenn es hier um grössere Zeiträume geht als im individuellen Leben.
 
Ist man erst einmal vollkommen von einer Meinung oder Hypothese überzeugt, findet man immer Wege, dies auch glaubwürdig zu belegen. Hat das Unterbewusstsein eine Überzeugung als richtig akzeptiert, liefert es uns alle Ressourcen, um die Richtigkeit dieser Überzeugung nachzuweisen.
 
Aus demselben Grunde kann auch eine Diskussionsrunde keine konkreten Ergebnisse bringen, denn es geht in ihr vor allem darum, eine eigene Meinung zu äussern und den eigenen Standpunkt zu beweisen, und nicht darum, nach der Wahrheit oder einer Lösung zu suchen. Oder anders gesagt: Das Unterbewusstsein hilft uns, jedes gesetzte Ziel mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen zu erreichen, wenn es die Überzeugung eingeprägt hat, dass man es erreicht. In der Praxis geht es darum, das eigene Unterbewusstsein mit positiven Ideen zu erfüllen, damit diese mächtigste aller Kräfte uns helfen kann, unsere Ziele zu realisieren. Das Unterbewusstsein ist immer gewillt, all das zu verwirklichen, was wir ihm eingeben, gleichgültig, ob es richtig oder falsch ist.
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Wie entstehen diese verschiedenen Ich-Zustände ?
 
Die verschiedenen Bewusstseinsformen bauen sich nach und nach auf. Wie bei Kindern zu beobachten und auch im Experiment nachzuweisen ist, entsteht zuerst das Körperbewusstsein, später das so genannte Autorenschafts- und Erlebnisbewusstsein - zu wissen, dass man selbst etwas tut oder erlebt. Diese Entwicklung teilen wir Menschen mit den Tieren, zumindest mit den Menschenaffen, mit denen wir nahe verwandt sind.

Das Unterbewusstsein, das Wahrnehmen, Empfinden, Fühlen oder affektive Handeln kommt fertig mit uns zur Welt?
 
Nein, auch das Unterbewusstsein entwickelt sich - es beginnt schon im Mutterleib, hört zum Beispiel die mütterliche Stimme, spürt die mütterliche Angst, wird beeinflusst von mütterlichen Hormonen. Noch bis lange nach der Geburt setzt sich die Entwicklung fort, wobei die ersten Jahre die wichtigsten sind. Relativ fertig ausgebildet ist unser Hirn erst im Jugendlichenalter. Vieles von dem, was in unserm Hirn abläuft, dringt gar nie in unser Bewusstsein, wird aber dennoch in einem unserer vielen Gedächtnisse abgespeichert und beeinflusst unser Handeln. Denken Sie zum Beispiel an unbewusst wahrgenommene Gerüche, die dann eine Rolle spielen, wenn wir sagen: «Diesen Menschen kann ich nicht riechen.»

Ist unser Unterbewusstsein so mächtig ?
 
Dr. Joseph Murphy, Autor von zahlreichen Büchern zu diesem Thema, beschreibt die Funktionsweise des Geistes sehr treffend: "Sie müssen lernen, den Ihnen verliehenen Geist voll zu nutzen. Es gibt zwei getrennte geistige Bereiche, nämlich einerseits den bewussten und durch den Verstand kontrollierten und andererseits den unbewussten und den Gesetzen der Logik unzugänglichen Bereich.
 
Sie denken mit Ihrem bewussten Geist, und Ihre Denkgewohnheiten prägen sich Ihrem Unterbewusstsein ein, das dann den betreffenden Gedankeninhalt Gestalt verleiht. Die unterbewussten Schichten sind der Sitz Ihrer Gefühlswelt und stellen in ihrer Gesamtheit den schöpferischen Bereich dar.
 
Wenn Sie Gutes denken, so entsteht daraus auch Gutes, während böse (schlechte oder negative) Gedanken Böses (Schlechtes oder Negatives) nach sich ziehen. Darin - und in nichts anderem - besteht die Funktionsweise des Geistes." Wir können nicht sehen, wie das Unterbewusstsein empfangene Eingebungen zu verwirklichen beginnt. Negative Ideen sind deshalb ein Nährboden für Misserfolg, Enttäuschung und Unglück.
 
Sind jedoch unsere Denkgewohnheiten harmonischer und positiver Natur, schaffen sie die Voraussetzung dafür, dass Gesundheit, Erfolg und Zufriedenheit uns begleiten werden. Sobald wir lernen, unsere Gedanken und Gefühle in die gewünschten Bahnen zu lenken, werden sich Seelenfrieden und körperliche Gesundheit leichter einstellen.
 
Was wir im Geist als bereits verwirklicht betrachten, wird unser Unterbewusstsein als bestehende Tatsache hinnehmen und anstreben. An uns liegt es, unser Unterbewusstsein zu überzeugen; und das 'Innere Programm' wird wunschgemäss für unsere Ziele besorgt sein. Experimente haben gezeigt, darunter auch solche hypnotischer Art, dass das Unterbewusstsein unfähig ist, einen logischen Denkprozess zu vollziehen. Hat es einmal eine Idee als gegebene Tatsache akzeptiert, so wird es in Übereinstimmung mit deren Inhalt reagieren.
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